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Inflation: Worauf jetzt bei Versicherungen zu achten ist

3 Prozent, 4 Prozent, 8 Prozent: Die Inflationsrate in Deutschland kennt derzeit nur eine Richtung. Verbraucher:innen ächzten unter nie gekannten Preisen an der Zapfsäule und im Supermarkt. Die Börsen sind auf Talfahrt und zu allem Übel müssen Sparer:innen trotz Monster-Inflation noch immer mit ansehen, wie Negativzinsen ihr Erspartes abschmelzen.

Was also tun gegen die Inflation? Welche Auswirkungen hat sie auf die eigene Vorsorge und wie kann man sich noch davor schützen? CLARK gibt antworten.

Inflation auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung

Deutschland erlebt eine Inflationswelle wie seit 32 Jahren nicht mehr. Im Mai lag sie laut Statistischem Bundesamt1 bereits bei 7,9 % und stellte damit zum dritten Mal in Folge einen neuen Rekord auf: der höchste Stand seit der Wiedervereinigung! Lag die Inflationsrate im Jahr 2021 bereits bei ungewöhnlich hohen 3,1 %2, erwartet die Bundesregierung für 2022 laut Tagesschau3 eine Inflation von 6,1 %, die EU Kommission rechnet inzwischen sogar mit 6,5 %. Die Preissteigerungen sind längst an der Zapfsäule und im Supermarkt zu spüren. Kein Wunder also, dass der Kaufkraftverlust unter allen Krisen derzeit die ist, welche die Menschen in Deutschland am meisten bewegt4.

Warum steigen die Preise so rasant an?

War die Inflation in den letzten zwei Jahrzehnten nie ein Thema – seit 2005 lag sie konstant zwischen 1,1 und 1,8 Prozent5 und damit stets unter dem 2-Prozent-Inflationsziel der EZB – klettert sie nun in ungeahnte Höhen. Der Grund ist die politische Großwetterlage, mehrere Effekte, die gleichzeitig auf die Preise einwirken:

  • Da sind die Spätfolgen der Finanzkrise von 2008, in deren Folge die Geldmenge im Euroraum massiv zugenommen hat. Zum einen, weil die EZB damit begann, massenhaft Staatsanleihen zu kaufen, zum anderen, weil sich auch Verbraucher:innen dank niedrigster Zinsen mit günstigen Krediten eindecken konnten.
  • Die Coronakrise führte wegen zahlreicher Lockdowns zum Zusammenbrechen von Lieferketten einerseits, was bis heute Güter verknappt, zum anderen hatten Verbraucher:innen weniger Gelegenheit, Geld für Konsum auszugeben. Damit trifft derzeit viel Geld auf weniger Waren. Die Knappheit lässt die Preise steigen.
  • Hinzu kommt der Krieg in der Ukraine, der die Märkte verunsichert und durch den vor allem Güter und Rohstoffe, die in Russland oder der Ukraine produziert werden, verknappt werden. Darunter zählen viele Grundrohstoffe wie Nahrungsmittel, Gas und Öl, die für viele verarbeitete Produkte benötigt werden und die dadurch auch deren Preise nach oben treiben.

Wie soll man sich vor Inflation schützen?

Konto

Auch wenn die EZB inzwischen erste Zinsschritte angekündigt hat, bleiben die Zinsen weiterhin auf niedrigem Niveau, zumal Sparer:innen froh sein können, wenn damit zunächst einmal die Negativzinsen wegfallen6, die viele Banken noch auf Privatvermögen erheben. Das macht es kurzfristig unmöglich, der Inflation auszuweichen. Auch die Zinsen, die Konten außerhalb der EU versprechen, sind nicht der Rede wert, zumal die Einlagen der Sparer:innen dort nicht geschützt sind.

Immobilien

Immobilien galten lange als inflationssicher. Vor allem, wer in und um Großstädte kaufte, konnte in den letzten Jahren auf hohe Renditen hoffen. Niedrige Zinsen ließen die Immobilienpreise in immer neue Höhen schnellen7. Doch damit scheint es nun – zumindest vorerst – vorbei. Denn während Sparer:innen noch auf erste Zinsen auf dem Sparbuch hoffen, haben die Bauzinsen schon kräftig angezogen. Lag der durchschnittliche Jahreszins im Januar noch bei 0,97 %, lag er im Mai bereits bei 2,44 %. Das macht die Baufinanzierung für den Eigentumserwerb erheblich teurer und bringt Eigenheimbesitzende mit auslaufender Zinsbindung ins Schwitzen. Können viele sich angesichts gestiegener Bauzinsen eine Anschlussfinanzierung nicht leisten, droht ein Crash.

Es wird immer entscheidender, wo und zu welchem Zweck gekauft werden soll
„Ein Immobilienerwerb kann immer noch ein sicheres Investment sein. Entscheidend ist, dass man sich zuvor Gedanken darüber macht, zu welchem Zweck man sie erwerben möchte und vor allem wo. Wer sich erhofft, die Immobilie nach einigen Jahren mit Wertsteigerung zu verkaufen, für den wird die Lage der Immobilie entscheidend sein, ob das noch gelingen kann. Wer dagegen etwas für den Eigenbedarf erwerben möchte und plant, darin lange zu leben, der muss sich um das Marktumfeld weniger Sorgen machen. Wichtig ist hier eine gute Beratung."
Dennis
Dennis
Experte für Baufinanzierung bei CLARK

Aktienmarkt

Mittel- und vor allem langfristig können wahrscheinlich vor allem die Kapitalmärkte vor einem Kaufkraftverlust durch Inflation schützen, auch wenn Investments angesichts des derzeitigen Bärenmarktes8 Mut abverlangen. Weil aber Unternehmen ihre Preise angesichts von Inflation ebenfalls anpassen, wachsen auch ihre Umsätze mit der Inflation, sodass Investments einen Kaufkraftverlust nicht fürchten müssen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedenfalls, dass Aktienindizes aus Krisen stets stärker herauskamen als sie hineingegangen sind. Dem DAX konnten weder Dotcom-Blase noch Finanzkrise oder Coronakrise etwas anhaben. Hier liegt auch der Hebel, wie die eigene Alters­vorsorge inflationssicher aufgestellt werden kann.

Krisenfest: Aktienindizes wie der DAX sind aus Krisen stets stärker herausgekommen als sie hineingegangen sind. Mit langfristige Investments lässt sich so gewiss auch der Inflation trotzen.

Wie Alters­vorsorge und Versicherung inflationssicher gestaltet werden können

Altersvorsorge

Weil die Kapitalmärkte Inflationsrisiken mittel- und langfristig kompensieren können, macht es Sinn, auch seine Altersvorsorge darauf aufzubauen. Durch die Niedrigzinsphase im letzten Jahrzehnt haben sich in allen Versicherungsprodukten kapitalmarktbasierte Lösungen etabliert, die deutlich höhere Renditen versprechen als klassische zinsbasierte Lösungen. Vor allem Private Renten­versicherung und Rürup-Rente bieten Sparenden dabei dieselbe Flexibilität wie private ETF-Sparpläne, nur das zu steuerlich deutlich attraktiveren Konditionen.

Weil diese Versicherungen speziell zum Zweck der Altersabsicherung gemacht sind, fördert sie der Staat entweder mit enormer steuerlicher Absetzbarkeit in der Ansparphase (Rürup-Rente) oder mit einem besonders niedrigen Steuersatz in der Auszahlungsphase (Private Renten­versicherung).

Darüber hinaus bieten Versicherer unterschiedliche Fallback-Lösungen an, um Versicherte vor Kurseinbrüchen kurz vor der Rente abzusichern, entweder indem sie rechtzeitig in sicherheitsorientierte Anlageklassen umschichten oder indem sie ihre Investments regelmäßig überwachen und sie zurücknehmen, wenn der Markt – wie jetzt – zu volatil werden zu droht.

Alters­vorsorge und Vermögensaufbau voneinander trennen
„Wichtig sollte immer sein, dass man Alters­vorsorge und Vermögensaufbau voneinander trennt. Klar kann man auch alles in einen privaten ETF-Sparplan stecken, aber dann macht man die Rechnung vielleicht ohne sein zukünftiges Ich, das das Geld in ein paar Jahren viel lieber für ein neues Auto oder einen schönen Urlaub ausgeben will. Wer es stattdessen in eine Alters­vorsorge packt, schützt sich selbst davor, es vor dem Ruhestand anzufassen. Außerdem wird man steuerlich bevorzugt behandelt und – ganz wichtig – man überträgt das Risiko, so alt zu werden, dass das Geld aufgebraucht ist, an den Versicherer."
CLARK Versicherungsexperte Alex
Alex
Versicherungsexperte bei CLARK

Ein weiterer Vorteil gegenüber privaten ETF-Sparplänen ist die Möglichkeit, sein Portfolio kostenlos umschichten zu können. Wer also den Eindruck hat, dass das eigene Portfolio nicht gut genug performt, kann während der Laufzeit Anteile verkaufen und in andere Anlageklassen investieren, ohne dass dabei Kapitalertragsteuern anfallen.

Auch in der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge sind häufig kapitalmarktbasierte Bausteine enthalten. Allerdings sind beide Vorsorgemodelle in ihrer Anlage nicht ganz so flexibel wie Rürup-Rente oder Private Renten­versicherung. Bleibt die Inflation auf dem derzeitigen Niveau und die Zinsen so niedrig, könnten sie Probleme haben, die Inflation auszugleichen.

Besser rechtzeitig wechseln
„Wer den Eindruck hat, dass seine Alters­vorsorge mit der Inflationsentwicklung nicht mehr mithalten kann, sollte sich unbedingt beraten lassen. Vielleicht kann man das Produkt verändern. Vielleicht ist auch ein Produktwechsel sinnvoll."
CLARK Versicherungsexperte Alex
Alex
Versicherungsexperte bei CLARK

Berufsunfähigkeits­versicherung

Wer eine Berufsunfähigkeits­versicherung abgeschlossen hat, hat damit eine Rente abgesichert, die im Falle, dass man seinen derzeitigen Job für mindestens sechs Monate zu nicht mehr als 50 Prozent ausüben kann, ausbezahlt wird. Bei anhaltender Inflation bedeutet das jedoch, dass der versicherte Betrag über die Jahre an Kaufkraft verliert.

Um sich davor zu schützen, ist es ratsam, eine sogenannte Dynamik zu vereinbaren. Damit erhöht sich die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente – aber auch der Beitrag – jedes Jahr um den vereinbarten Prozentsatz, vorausgesetzt, man hat dem nicht widersprochen.

Sollte der Vertrag keine solche Dynamik enthalten, kann man hier eventuell nachversichern. Innerhalb der ersten Jahre nach Abschluss des Vertrags geht dies bei manchen Versicherern ohne Gesundheitsprüfung. Auch Karrieresprünge bieten die Gelegenheit, die BU-Rente anzupassen, denn hier bieten einige Versicherer die Chance, ohne erneute Gesundheitsprüfung nachzuversichern.

Besteht diese Möglichkeit zur Nach­versicherung nicht, kann auch eine zweite Berufsunfähigkeits­versicherung abgeschlossen werden. Hier empfiehlt sich die steuergünstige Berufsunfähigkeitszusatz­versicherung (BUZ), bei der die BU mit einer Rürup-Rente verbunden wird.

Private Kranken­versicherung

Krankenversicherte werden die Inflation hingegen indirekt merken, denn mit der Inflation steigen auch die Preise für Behandlungen. Schon jetzt warnen die gesetzlichen Krankenkassen vor einem „Beitragstsunami“9 und das losgelöst von der Inflation. Auch die privaten Kranken­versicherer werden Preissteigerungen an ihre Versicherten weitergeben.

"Hier kann man sich nur perspektivisch vor möglichen Kosten im Alter schützen, wenn das eigene Einkommen sinkt, aber die PKV-Beiträge gleichbleibend hoch bleiben. Versicherer bilden hierfür schon jetzt ein Rückstellungsvermögen, mit dem sie die Beiträge im Alter drücken. Wem das nicht ausreicht, der sollte privat heute schon etwas zurücklegen. Entweder über einen ETF-Sparplan oder – ich erinnere an die Versuchungen durch das zukünftigen Ich – mit einer Rürup-Rente, aus der die PKV-Beiträge dann ausgeglichen werden."
CLARK Versicherungsexperte Alex
Alex
Versicherungsexperte bei CLARK

Nachweise

1 Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im Mai 2022 bei +7,9 %

2 Statistisches Bundesamt: Inflationsrate 2021: +3,1 % gegenüber dem Vorjahr

3 Tagesschau.de: So entwickeln sich die Preise

4 Spiegel Online: Inflation ist die größte Sorge der Menschen in Deutschland

5 Handelsblatt.de: Die Inflationsrate in Deutschland von 2005 bis 2022

6 Tagesschau.de: Ende der Negativzinsen rückt näher

7 Statista: Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland von 2004 bis zum 1. Quartal 2022

8 Handelsblatt.de: Rezessionsängste schicken US-Börsen auf Talfahrt: Wall Street nun im Bärenmarkt

9 Tagesschau.de: „Beitragstsunami“ bei den Krankenkassen?