Private Krankenversicherung verlassen: Rückkehr in die GKV

Ein Austritt von der privaten Krankenversicherung (PKV) in die gesetzliche (GKV) ist kompliziert. Was Angestellte, Selbstständige und Menschen über 55 tun können.

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Ein Wechsel von der privaten Krankenversicherung (PKV) in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist möglich, aber an Bedingungen geknüpft: Angestellte müssen ihr Gehalt drücken. Selbständige suchen sich am besten eine Festanstellung. Besonders schwer haben es Menschen über 55 Jahre. 

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Wie kann ich als Angestellter die private Krankenversicherung kündigen und in die gesetzliche wechseln?

Ein einfacher Wechsel von einer Kasse zur anderen ist nur innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung möglich. Die PKV kündigen und zurück in die GKV – das sieht der Gesetzgeber in der Regel nicht vor. Trotzdem wirst du als angestellter Privatpatient recht einfach wieder Kassenpatient. Die Bedingung dafür könnte allerdings schmerzen: Dein Gehalt muss unter die Versicherungspflichtgrenze sinken. Ist das der Fall, giltst du automatisch wieder in der gesetzlichen Krankenversicherung als versicherungspflichtig. 

 

Welche Auswirkungen hat es, wenn ich wieder in die GKV wechsle?

Als Mitglied einer privaten Krankenkasse bildest du mit einem Teil deiner Beiträge automatisch Rückstellungen für das Alter. Kündigst du deinen Vertrag, erhältst du dieses Geld nicht einfach wieder zurück. Denn die Altersrückstellungen der Mitglieder sind nicht personengebunden, sondern fließen in einen gemeinsamen Topf. Geschickter ist es, den Vertrag auszusetzen und eine Anwartschaftsversicherung abzuschließen. 

Was bedeutet Anwartschaft?

Eine Anwartschaftsversicherung ermöglicht es, eine private Krankenversicherung auszusetzen und trotzdem später die Altersrückstellungen zu nutzen. Mit der Anwartschaft frierst du sozusagen die Konditionen ein, die du mit dem Versicherer vertraglich vereinbart hast. Das gilt vor allem für die Gesundheitsprüfung. Hast du deine private Krankenversicherung beispielsweise 2010 abgeschlossen, gelten dank Anwartschaft 2025 noch die Antworten auf die Gesundheitsfragen von damals. 

Wie nutze ich die Anwartschaft?

Das kommt vor allem darauf an, ob du für immer in die GKV zurückkehrst oder vorübergehend. 

Fall 1: Du wirst in der GKV versicherungspflichtig, planst aber, irgendwann wieder zu deiner privaten Krankenkasse zurückzukehren. Dann steigst du dank Anwartschaft zu den Konditionen wieder in den Vertrag ein, die du ursprünglich vereinbart hast. 

Fall 2: Du kehrst ein für allemal in die GKV zurück. Dann kannst du die Anwartschaft nutzen, um dir für spätere Krankenzusatzversicherungen gute Konditionen zu sichern. Vielleicht kommt dir im Alter beispielsweise eine Zahnzusatzversicherung zugute. Mit einer Anwartschaft kannst du dir diese Versicherung auch dann noch leisten, wenn du sie relativ spät abschließt. 

 

Welche Versicherungspflichtgrenze gilt für Angestellte? 

Der Gesetzgeber bestimmt jedes Jahr neu, ab welcher Höhe des Gehalts Angestellte in die private Krankenversicherung wechseln dürfen. Diese sogenannte Versicherungspflichtgrenze ist keine Einbahnstraße. Wenn dein Bruttojahresgehalt die Grenze unterschreitet, musst du die private Krankenversicherung verlassen. Sie liegt 2020 bei 62.550 Euro. 

Fall 1: Wenn du dich ab 1. Januar 2003 privat krankenversichert hast, darf dein Bruttojahresgehalt 62.550 Euro nicht erreichen. 

Fall 2: Wenn du dich bis zum 31. Dezember 2002 privat krankenversichert hast, darfst du für einen Wechsel in die GKV maximal 56.250 Euro brutto verdienen. 

 

Darf ich eine Zeit lang Teilzeit arbeiten, um mein Gehalt unter die Grenze zu drücken?

Die Teilzeit ist ein gangbarer Weg, wenn du die private Krankenversicherung verlassen möchtest. Damit die gewünschte GKV-Versicherungspflicht eintritt, muss dein Teilzeitgehalt unter die Verdienstgrenze von 62.550 Euro brutto fallen. Dabei hast du das Gesetz auf deiner Seite: Arbeitnehmer dürfen ihre Arbeitszeit eine Zeit lang reduzieren und danach wieder Vollzeit arbeiten. Das Stichwort für deine Online-Recherche lautet Brückenteilzeit. 

Die wichtigsten Bedingungen für das Rückkehrrecht im Überblick: 

  • Du arbeitest seit mindestens einem halben Jahr im Unternehmen.

  • Das Unternehmen beschäftigt mehr als 45 Mitarbeiter. 

  • Du verkürzt deine Arbeitszeit um mindestens die Hälfte.

  • Deine Teilzeit dauert mindestens ein Jahr. 

Tipp

Verbinde das Nützliche mit dem Angenehmen. Moderne Unternehmen bieten ihren Angestellten die Möglichkeit eines Sabbaticals. Das heißt, du legst eine mehrmonatige Pause ein, ohne deine Stelle zu kündigen. Der erwünschte Nebeneffekt: Dein Jahresbruttogehalt fällt unter die Verdienstgrenze.

Welche Alternativen habe ich zur Teilzeit, wenn ich einen Austritt aus der PKV plane? 

Angestellte dürfen einen Teil ihres Gehalts in die betriebliche Altersvorsorge investieren. Die Obergrenze liegt 2020 bei 6.624 Euro im Jahr. Das bedeutet: Willst du diese sogenannte Entgeltumwandlung nutzen, um die private Krankenversicherung zu verlassen, muss dein Bruttojahreseinkommen unter 63.966 Euro liegen:  

62.550 Euro (Jahresentgeltgrenze)                        + 6.624 Euro (Obergrenze betriebliche Altersvorsorge)                     = 69.174 Euro        

Diese Lösung ist klug, weil du zwei Fliegen mit einer Klappe schlägst: Du löst dein Problem mit der Krankenversicherung und sorgst zusätzlich für das Alter vor. Den Vorsorgebetrag kannst du senken, sobald du wieder Mitglied der GKV bist.  Beachte jedoch, dass nur die Hälfte dieses Beitrags, 3.312 Euro, sozialversicherungsfrei ist. Auf den restlichen Beitrag fallen Abgaben zur Sozialversicherung an. Informiere dich dazu am besten in unserem Abschnitt zur betrieblichen Altersvorsorge.

Tipp

„Wir bei CLARK sind der Überzeugung: Ein guter Tarif der privaten Krankenversicherung lohnt sich für mehr Menschen als gemeinhin angenommen. Die Leistungen der PKV gehen weit über die immer schlechtere GKV-Regelversorgung hinaus. In guten Tarifen steigen außerdem die Beiträge mit den Jahren moderat. Wenn ein Versicherter die private Krankenversicherung verlassen möchte, dürften Fehler bei Vertragsabschluss zumindest eine Rolle spielen. Nicht sinnvoll ist es beispielsweise, den erstbesten Tarif zu wählen. Der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung muss wohlüberlegt geschehen. Dazu gehört eine ausführliche Beratung zum jeweiligen Angebot. Online-Vergleiche, die zum sofortigen Abschluss einer privaten Krankenversicherung auffordern, halten wir für unseriös.“

–Marco, Experte für die private Krankenversicherung bei CLARK

 

Muss ich als Angestellter in die PKV zurück, wenn mein Gehalt wieder steigt?

Angenommen, dein Gehalt sinkt unter die Jahresentgeltgrenze, du verlässt die private Krankenversicherung und wählst eine gesetzliche Kasse. Dann greifen die gleichen Regeln wie bei anderen Angestellten. Das heißt, steigt dein Gehalt irgendwann wieder über die Grenze hinaus, darfst du in der gesetzlichen Kasse bleiben. Du giltst als freiwillig gesetzlich versichert und musst nicht zwangsläufig in die PKV zurückkehren. 

 

Ich bin selbständig. Wie gestaltet sich der Wechsel?

Ein Austritt aus der privaten Krankenversicherung ist für Selbständige möglich, 

  • wenn sie sich in einem Unternehmen fest anstellen lassen, 

  • den größten Teil ihrer Arbeitszeit der Festanstellung widmen und 

  • weniger als 62.550 Euro brutto im Jahr verdienen (Jahresentgeltgrenze 2020). 

Erfüllst du diese Bedingungen, greift die GKV-Versicherungspflicht und du kannst die private Krankenversicherung verlassen. 

Gut zu wissen

Neben deiner Festanstellung darfst du selbständig tätig bleiben. Allerdings muss dein Engagement für den festen Arbeitgeber die freien Aufträge überwiegen. Neben der Arbeitszeit spielt hierbei auch das Geld eine Rolle: Du musst als Angestellter mehr verdienen als durch selbständige Arbeit.

Genügt bei Selbstständigen ein 450-Euro-Job, um wieder in die GKV zu kommen?

Die Idee ist charmant, funktioniert aber nicht. Du musst als Angestellter mehr als 450 Euro im Monat verdienen, damit du die private Krankenversicherung verlassen kannst. Der Hintergrund ist simpel: Menschen mit einem 450-Euro-Job sind krankenversichert, zahlen aber keine Beiträge. Wenn du ins Solidarsystem der GKV zurückkehren möchtest, sollst du auch Beiträge entrichten. 

 

Können sich Selbständige familienversichern lassen?

So lange du mit freien Aufträgen mehr als 455 Euro im Monat verdienst, geht das nicht. Eine Mitversicherung beim Partner ist de facto also nur möglich, wenn du dein Geschäft aufgibst. Falls du dich für die Geschäftsaufgabe entscheidest, wechselst du immerhin nahtlos in die gesetzliche Pflegeversicherung. Deine Zeit in der privaten Pflegeversicherung wird anerkannt. 

 

Komme ich in die GKV zurück, wenn ich mich arbeitslos melde?

Der Wechsel aus der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche ist bei Arbeitslosigkeit einfach. Wenn du mindestens einen Monat Arbeitslosengeld beziehst, giltst du als versicherungspflichtig. Nimmst du danach wieder einen Job an, darfst du in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Diese radikale Lösung funktioniert aber nur für Menschen unter 55. Ältere Versicherte werden durch Arbeitslosigkeit nicht mehr versicherungspflichtig und können somit nicht einfach in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren. 

 

Was kann ich tun, wenn ich älter als 55 Jahre bin?

Der Austritt aus der privaten Krankenversicherung ist mit über 55 Jahren in der Regel nur möglich, wenn du von den vergangenen fünf Jahren mindestens zweieinhalb pflichtversichert warst. Eventuell kommt die GKV-Familienversicherung infrage. Dazu muss dein Partner gesetzlich versichert sein. Außerdem darf dein Einkommen maximal 455 Euro im Monat betragen. Mini-Jobbern sind 450 Euro erlaubt. Eine weitere Möglichkeit ist mit einem Abenteuer verbunden: Du verlegst deinen Hauptwohnsitz zeitweise ins Ausland und suchst dir dort einen Job. 

 

Mit über 55 ins Ausland – welche Länder bieten sich an?

Im Land deiner Wahl muss eine Pflichtversicherung ähnlich der deutschen gelten. Außerdem sollte es möglichst der EU angehören, damit du ohne viel Bürokratie einen Job annehmen kannst. Es läuft deshalb auf die Niederlande oder Schweden heraus. Nach frühestens einem Jahr darfst du zurückkehren. Weitere drei Monate später darfst du eine gesetzliche Kasse wählen. Kündige dazu rechtzeitig die private Krankenversicherung. 

 

Kann ich als Rentner noch in die GKV wechseln? 

Als Rentner bleibst du zunächst einmal privat versichert. In die gesetzliche Krankenversicherung der Rentner (KVdR) wirst du nur aufgenommen, wenn du 

  1. in der zweiten Hälfte deines Erwerbslebens mindestens zu 90 Prozent gesetzlich versichert warst oder 

  2. in den vergangenen fünf Jahren mindestens zwei Jahre lang Mitglied der GKV warst.

Deine Chancen auf einen Wechsel von der PKV in die GKV erhöhen sich allerdings, wenn du Kinder großgezogen hast. Das gilt auch für Stief- oder Pflegekinder. Für jedes Kind rechnet dir der Gesetzgeber drei Jahre auf die Mindestversicherungszeit an. Auch bei Rückkehrern aus dem Ausland zeigt sich das Gesetz großzügig: Wer im genannten Fünfjahreszeitraum in einem Land gelebt hat, das der EU angehört, kann sich den Aufenthalt möglicherweise anrechnen lassen. Die Regelung gilt auch für Länder, die mit Deutschland ein Sozialabkommen vereinbart haben.

Ich bin Beamter und privat versichert. Kann ich demnächst in die GKV wechseln?

Momentan sind Beamte in der PKV bestens aufgehoben: Der Dienstherr zahlt Beihilfe zur privaten Krankenversicherung. Sie ist so hoch, dass sich ein Vertrag mit einer gesetzlichen Kasse für Beamte nicht lohnt. Immer mehr Bundesländer, allen voran Hamburg und Berlin, wollen ihren Beamten künftig aber die Wahl lassen. Das heißt, die Beihilfen soll es wahlweise zur PKV oder zur GKV geben. Wer allerdings verbeamtet und bereits privat versichert ist, bleibt auch künftig in der PKV. Einen Wechsel sehen die Bundesländer nicht vor. Wahlfreiheit sollen nur künftige Beamte bekommen.