Selbsttest: Was taugt Deutschlands Sensations-App für Versicherungen & Rente? (3 min Lesezeit)

Eine App verspricht, die Qual mit Haftpflicht, Rente und Co. auf ein Minimum zu reduzieren. Wir haben das kostenlose Angebot getestet. Der Invest: Ein Download und ein paar persönliche Angaben wie die Telefonnummer. Der Output: Geordnete Verhältnisse und sinkende Kosten bei TÜV-geprüfter Datensicherheit.

Autor: Marc Kern

Download und Anmeldung

Der Einstieg ist tatsächlich simpel: iTunes beziehungsweise Play-Store aufrufen, Download starten und schon steht die App bereit. Genauso schnell verläuft die Anmeldung – wobei zwei Pflichtangaben skeptisch machen:

Die App will neben Standards wie der Adresse auch die Handynummer wissen. Außerdem sollen wir eine Unterschrift leisten. Hat die EU nicht gerade erst ihre Datenschutzregeln verschärft? Eine kurze Internetrecherche ergibt: Unternehmen machen sich strafbar, wenn sie grundlos nach der Handynummer ihrer Kunden fragen. „Gebot zur Datensparsamkeit“ heißt das auf Amtsdeutsch.

Wozu die App Telefonnummer und Unterschrift braucht

Wir rufen beim Anbieter der App an und erhalten Auskunft: Die App dürfe nur dann für einen Kunden tätig werden, wenn eine verifizierte Handynummer und ein ausdrückliches Mandat vorlägen. Denn hinter dem Angebot stehe ein Online-Versicherungsmakler und der habe die gleichen Pflichten wie ein niedergelassener Makler vor Ort.

Er müsse beispielsweise Kontakt aufnehmen können, wenn ein Kunde einen Schaden gemeldet hat. Außerdem sei ein Makler verpflichtet, umfassend und persönlich zu beraten. Wir überprüfen diese Auskunft ebenfalls durch Internetrecherche. Alles korrekt. Wir entschließen uns, die Telefonnummer anzugeben und zu unterschreiben. Das geht auf dem Smartphone mit dem Finger.

Bestehende Versicherungen digitalisieren

Im nächsten Schritt fragt die App nach bestehenden Versicherungsverträgen. Die meisten fallen uns auf Anhieb ein: Haftpflicht, Unfall, Kfz. Zur Sicherheit holen wir unseren Leitz-Ordner aus dem Schrank und siehe da, wir entdecken eine steinalte Reiseversicherung.

Aber die App will zusätzlich die Versicherungsunternehmen wissen. Wozu das nun noch? Wir greifen erneut zum Telefon: Als unser neuer Makler brauche der Anbieter Einsicht in die Verträge, erfahren wir. Denn darauf beruhe die anschließende Beratung. Ok, das klingt logisch.

Ab jetzt alles digital an einem Ort

Die App verspricht, die Verträge bei den Unternehmen anzufragen. Alternativ können wir die Dokumente selbst zur Verfügung stellen. Dazu sollen wir sie fotografieren und die Upload-Funktion nutzen.

Wir entscheiden uns, beides zu testen. Dank guter DSL-Verbindung liegen die Fotos unserer Policen nach wenigen Minuten im Versicherungscockpit der App. Nun hoffen wir, dass unsere Unfallversicherung dem Online-Makler den Vertrag übermittelt.

Ein paar Tage später liegt auch dieses Dokument im Versicherungscockpit. Nie wieder Leitz-Ordner, nie wieder Papierkram. Das ist schon ziemlich genial. Und auch noch kostenlos!

Künstliche Intelligenz deckt Sparpotenzial auf

Nun kommt das Wichtigste: Laut Beschreibung nutzt die App künstliche Intelligenz, um Verträge mit der aktuellen Lebenssituation abzugleichen und – falls nötig – bessere Alternativen auszuwählen. Tatsächlich teilt die App ein paar Tage nach der Anmeldung per SMS mit, dass eine erste Empfehlung bereitsteht.

Wir loggen uns ein und erfahren, dass wir bei einer anderen Krankenversicherung mehr Leistungen für weniger Beitrag bekämen. 400 Euro Ersparnis pro Jahr - das lässt sich sehen.

Abwicklung reibungslos

Per Internetrecherche holen wir weitere Meinungen ein. Tatsächlich bekommt die empfohlene Krankenkasse in seriösen Tests gute Kritiken. Also beauftragen wir die App, unseren alten Vertrag zu kündigen und den neuen abzuschließen. Das geht ganz einfach mit wenigen Klicks. Rückfragen klären wir per Chat mit dem Experten “Max”. Für uns entstünden weder Aufwand noch Kosten, schreibt er. Und das bewahrheitet sich dann auch.

Unser Fazit

Unser Fazit Der Download lohnt sich für Menschen, die einen Haken hinter ihren Versicherungs-Wirrwarr machen wollen und die entweder keinen Makler haben oder mit ihrem Versicherungsvermittler unzufrieden sind.

Wir empfanden die Pflege der Daten als denkbar einfach (das bestätigt auch Stiftung Warentest und Focus Money)

Die Datensicherheit ist durch EU-Gesetze gewährleistet. Zusätzlich unterwirft sich die App dem TÜV.

Es fallen keine Kosten an.

Der Online-Makler bietet persönliche Beratung an, kommt dafür allerdings nicht ins eigene Wohnzimmer. Per Chat oder E-Mail stehen kompetente Experten bei Fragen zur Verfügung. Komplexere Fragen lassen sich bei der App telefonisch klären.

Unser Tipp: Das Renten-Cockpit ausprobieren. Mit der App lässt sich das exakte Netto-Einkommen im Alter berechnen, weil die Algorithmen die aktuelle Vorsorge analysieren und die zu erwartenden Steuern und Abgaben abziehen. So macht Digitalisierung Spaß.

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